Der erste Jahreswechsel in der neuen Wohnung in Rösrath Forsbach ist vorbei. Während um Mitternacht meine Kamera auf Stativ montiert automatisiert von meinem Balkon aus Serienbilder machte, verbrachte ich drinnen Seite an Seite neben Carlos und gab ihm Nähe und Schutz. Im Vergleich zu Köln war das hier fast schon eine Wohltat.

Die bisherigen Silvester sind von Jahr zu Jahr zunehmend schwieriger geworden. Die Ängste vor der lauten Knallerei äußerten sich in panischem umherlaufen gefolgt von verkriechen. Extrem schneller Herzschlag, starkes Hecheln, zittern am ganzen Körper und tropfende Nase zeigten den Level seines empfundenen Stresses. Im bisherigen Wohnort Köln Kalk fängt die unsinnige Ballerei ja schon Tage vor Silvester an. Selbst ein Knall hat gereicht, um Carlos in einen angstbesetzten Zustand zu versetzen, der noch Stunden anhalten konnte. Er ließ ihn ganze Nächte wachbleiben in der furchtvollen Erwartung auf das nächste Geräusch. Sein obsessives Verhalten ließ natürlich auch mir keine Ruhe – stets darauf bedacht, wie man mit ihm umgeht, ohne nicht förderliche Emotionen zu spiegeln – stets im Spagat zwischen dem Geben von Trost und falscher Verstärkung.

Letztes Jahr verbrachten wir in der Vulkaneifel, doch selbst da kamen wir nicht drumherum. Der Ort war nicht abgelegen genug. Hilfe versprach ein vorher vom Tierarzt erhaltenes Gel namens Sileo. Dieses Beruhigungsmittel wirkte bei Carlos äußerst gut. Seine vorher beschriebenen Angstsymptome waren weg und er schmiegte sich in der lauten halben Stunde an mich.

Dieses Jahr besorgte ich prophylaktisch auch wieder Sileo, wobei ich es ihm lieber nicht geben wollte. Und das musste ich auch nicht. Bereits im Vorfeld zeichnete sich ab, dass hier in Forsbach alles anders sein wird. Lediglich 2 mal hörten wir in den Tagen nach Weihnachten lautes Knallen. Aus Erfahrung und topaktuell von meinen Eltern weiß ich, was zur selben Zeit in Kalk schon los war: Kriegszustand. Wie gesetzlich vorgeschrieben ging es hier inmitten des Königsforst erst an Silvester um 18 Uhr los. Aber immer noch sehr überschaubar. Kurz vor 0 Uhr startete draussen das Feuerwerk. Carlos kam aus seinem Versteck hervor und suchte Nähe. Er setzte sich neben mich und drückte sich regelrecht an mein rechtes Bein. Ich legte meine Hand um ihn auf seine Brust und so harrten wir gemeinsam aus. Nur leichtes Zittern und erhöhter Herzschlag, aber kein Sabbern, keine Panik. Und das ohne Medikament! Um halb eins wurde es weniger. Schon um 1 Uhr war Schluss und Carlos konnte relativ zügig wieder entspannen.

Heute am Neujahrstag hat es auch noch einige Male geknallt. Carlos schreckt zwar auf, aber kann schnell wieder „runterkommen“.

Es war eine gute Entscheidung, umzuziehen! Schon seit Einzug zeigte sich Carlos so entspannt, wie noch nie. Noch bis heute freut sich Carlos jedes Mal, wenn wir zurück in die Wohnung kommen. Er springt rum, wedelt mit dem Schwanz, kommt auf mich zugerannt und schmiegt sich an mich, als wolle er sich bedanken. Und wer Carlos kennt, weiss, wie besonders bemerkenswert solch ein Ausdruck von Freude bei ihm ist.

Auf das die Wohnung bei Carlos weiterhin so positiv besetzt bleibt… das neue Jahr kann kommen…

Wir wünschen allen ein gutes neues Jahr!

Simon und Carlos

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